Antibiotika können bei Mittelohrentzündung helfen
Wenn das Kind übellaunig und weinerlich ist, sich immer wieder ans Ohr fasst und auch vorzugsweise bei Schlafen auf einer Seite liegt, dann wissen Eltern meist schon, was los ist: eine Mittelohrentzündung, die starke Ohrenschmerzen verursacht.
Die Mittelohrentzündung ist die häufigste bakterielle Infektion bei Kindern, noch vor Durchfall- und Atemwegserkrankungen. Häufig werden auch Antibiotika verordnet, um diese bakterielle Infektion unter Kontrolle zu bekommen. In den letzten Jahren ist der Antibiotikaeinsatz jedoch in die Kritik gekommen, da das “leichtfertige” Verschreiben von Antibiotika zunehmend zu Resistenzen führt, also dazu, dass sich die Krankheitserreger an die Medikamente “gewöhnen und diese ihre Wirkung verlieren.
Stattdessen wurde das “watchful waiting” propagiert, bei dem die Kinder mit abschwellenden Nasentropfen oder Nasensprays und Schmerzmitteln behandelt wurden; nur bei schwereren Verläufen, bzw. wenn es nach wenigen Tagen nicht zu einer Besserung kam, wurde ein Antibiotikum verordnet.
Mediziner der Universität Turku (Finnland) führten nun eine Studie durch, mit der sie herausfinden wollten, wie hilfreich Antibiotika bei einer Mittelohrentzündung wirklich sind. Dafür behandelten sie Kinder im Alter von sechs bis 35 Monate sofort mit Antibiotika, wenn bestimmte, vorher festgesetzte Kriterien erfüllt waren, etwa ein vorgewölbtes Trommelfell oder Flüssigkeit hinter dem Trommelfell. Die Behandlung mit Antibiotika war bei dieser Studie mehr als doppelt so oft effektiv wie eine Placebo-Behandlung, und zwar schon nach drei Tagen.
Trotzdem fordern die Forscher, die Antibiotika noch besser zu untersuchen und sie noch gezielter einzusetzen. Denn auch die Nebenwirkungen der antibiotischen Mittel waren beträchtlich: Fast 50 Prozent der Kinder bekamen wegen der Medikamente Durchfall, über acht Prozent der Kinder entwickelten ein Ekzem.
