Gebärfreudigeres Deutschland?
Wie steht Deutschland zum Thema Abtreibung? Und vor allem, was sagen Mütter und solche, die es noch werden wollen? Der vorzeitige Abbruch einer Schwangerschaft ist ein bewusst herbeigeführter Eingriff. Genau aus diesem Grund ist er nach wie vor Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Ist Abtreibung nun moralisch vertretbar oder werde ich dadurch zur Mörderin meines eigenen Kindes?
Aktuell bietet mit Sicherheit die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) Zündstoff zur Diskussion. Laut der Zahlen zum zweiten Quartal dieses Jahres sollen die Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland um 1,2 Prozent zurückgegangen sein. In Zahlen macht das ungefähr 300 Abtreibungen weniger im Vergleich zum Vorjahr.
73 Prozent der Frauen, die sich zur Abtreibung entschieden, waren zwischen 18 und 34 Jahren alt und 15 Prozent zwischen 35 und 39 Jahren. Das verdeutlicht, dass nur ein geringer Anteil der Frauen außerhalb des gemäßigten Rahmens liegt. Für unter 18-jährige bedeutet das vier, für alle über 40 sind es 8 Prozent. Da stellt man sich die Frage, ob die jungen Mütter etwa auf dem Rückgang sind. Die Zahlen sprechen dafür. Dagegen stehen endlose Diskussionen in Internetforen sowie Dokumentationen über hoffnungslos überforderte Teenie-Mütter.
Und noch eine Angabe könnte Anlass zur Debatte geben: 97 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche wurden nach der erforderlichen Beratungsregelung durchgeführt. Somit kam es in nur drei Prozent aller Fälle aufgrund medizinischer oder kriminologischer Indikationen zu einem Abbruch. Eine medizinische Indikation liegt vor, wenn durch die Geburt die Gesundheit des Kindes gefährdet wäre, etwa durch eine schwere Behinderung. Darunter fällt auch eine Gefährdung der Mutter durch zu starke psychische Belastung. Von einer kriminologischen Indikation spricht man beispielsweise nach einer Vergewaltigung. Allerdings muss der Abbruch bis zum Ende der 12. Empfängniswoche erfolgen.
Insgesamt scheinen die Zahlen für das zweite Quartal 2010 eine positive Botschaft zu vermitteln. Weniger Abtreibungen – also ein offensichtlich gebärfreudigeres Deutschland. Oder nicht? Immerhin sind nur drei Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche aufgrund medizinischer oder kriminologischer Motive erfolgt. Können die anderen 97 Prozent etwa nicht richtig verhüten?
